Foto: Von James Gathany, CDC - ( Wikipedia)
Tigermücke in Friesenheim: Ein alter Bekannter und die Grenzen der Biologie
Ein Kommentar von Walter Holtfoth
Die Natur lässt sich nicht durch Terminkalender beirren: Mit den ersten warmen Tagen rückt auch die Asiatische Tigermücke wieder in den Fokus. Die Gemeinde Friesenheim hat dazu nun ihre jährlichen Verhaltenstipps veröffentlicht. Das ist löblich und als Erinnerungshilfe für uns Bürger durchaus sinnvoll – doch wer die Entwicklung der letzten Jahre aufmerksam verfolgt hat, blickt mit einer gewissen Ernüchterung auf diese Zeilen.
Lehren aus der Nachbarschaft
Ich erinnere mich noch gut an meine Berichterstattung in Kehl vor einigen Jahren. Dort wurde das Thema mit massivem Personalaufwand und großem Budget angegangen. Die wichtigste Erkenntnis der Experten von der KABS war damals jedoch eine ganz andere als die, die man in offiziellen Pressemitteilungen gerne liest: Wir können die Tigermücke nicht mehr „besiegen“ oder ihre Ausbreitung „verhindern“. Sie ist längst da.
Ehrlichkeit statt „Vielleicht“
In der aktuellen Mitteilung der Gemeinde ist viel von dem die Rede, was „passieren kann“. Doch für viele Friesenheimer ist die Mücke längst Realität im eigenen Garten. Hier wäre ein Stück mehr Offenheit seitens der Verwaltung wünschenswert: Die Tigermücke lässt sich in unserer Region nicht mehr ausrotten. Wir müssen lernen, mit ihr zu leben und sie so gut es geht zu dulden, während wir gleichzeitig versuchen, die Population durch die bekannten Maßnahmen (ja, die umgedrehte Gießkanne hilft!) im Zaum zu halten.
Keine Wunder erwarten
Die kostenlosen Bti-Tabletten im Rathaus sind ein netter Service, aber sie sind keine Wunderwaffe. Echte Bekämpfung, wie ich sie in Kehl erlebt habe, sieht anders aus und ist für eine Gemeinde allein kaum zu stemmen.
Mein Rat an die Friesenheimer:
Nutzen Sie die Tipps, holen Sie sich die Tabletten – aber bewahren Sie einen kühlen Kopf. Die Mücke ist nun Teil unserer sommerlichen Nachbarschaft. Statt auf ein „Verschwinden“ durch Mithilfe zu hoffen, sollten wir uns auf ein langfristiges Management einstellen. Die Biologie lässt sich eben nicht wegverordnen.
