....am anfang war musik....

Cleopha – Die Geschichte hinter fast 40 Jahren Herzblut

Update 2026: Rockmusik stirbt nie – sie wechselt nur die Generationen

 

Auf dem Foto links Thomas Kuderer aus Offenburg, der in all diesen Jahren immer irgendwo mit dabei war 

 

Die beste Rockmusik der letzten fünf Jahrzehnte steht heute mehr denn je im Mittelpunkt. „Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Generationen, die mit der großartigen Musik der 60er bis 90er Jahre groß geworden sind, heute plötzlich nur noch auf Schlager und Playback-Plastik stehen“, sagt Cleopha-Frontmann und Rock-DJ Walter Holtfoth.

 

Das Cleopha-Publikum ist zwar längst jenseits der 40 angekommen, doch das Projekt ist vitaler denn je. Wir lassen die technische Materialschlacht hinter uns und kehren zurück zum Kern: Emotionen, echte Instrumente und dieser unvergleichliche Spirit. „Ich bin nur ein DJ – Cleopha, das sind wir alle!“

 

Wie alles begann: Vom Schuppen in die Ewigkeit

Niemand sollte fragen, was zuerst da war: das Ei oder das Flattervieh. Fest steht: Alles begann in den frühen 70ern. Mit zarten 14 Jahren betrat Walter Holtfoth – inspiriert von den Großen wie Dylan, Hendrix und Pink Floyd – die Bühne. Während andere sich an die Beatles oder Stones klammerten, zog es Walter dorthin, wo es nach Freiheit roch: in den „Schuppen“ nach Rust.

 

Kein Vergleich zu den heutigen kommerziellen Zahnspangen-Tanztempeln mit Abzockgarantie und Stylezwang. Der „Schuppen“ war holzig, urig und echt. Es war die Geburtsstunde eines Virus, den wir heute den Cleopha-Virus nennen.

 

Der Zufall, der ein Leben veränderte

Es war eine dieser schicksalhaften Nächte, als ein DJ eine Runde mit einer Tänzerin drehen wollte. „Kannst du mal kurz übernehmen?“, hieß es. Aus dieser halben Stunde wurde ein ganzes Leben für den Rock ’n’ Roll. Über das „Drivolli“ in Herbolzheim, wo Walter unkonventionell mit einer Holzkiste voller 70er-Jahre-Rock aufschlug, bis hin zur Gründung des legendären „Atlantis“ (At), blieb er seiner Linie treu.

 

Die Geburt einer Legende: Aus Kleofa wird CLEOPHA

Ende der 80er hatte Walter genug von musikalischen Brechreizen wie Modern Talking. Er wollte beweisen, dass Deep Purple und Led Zeppelin beständiger sind als jedes Eintagsfliegen-Sternchen. Da der alte Schuppen in Rust in der Kleofa-Straße lag, lag der Name nah – aber optisch war „Kleofa“ eine Katastrophe. Walter gab dem Ganzen einen lockeren Mittelmeertouch: CLEOPHA87 war geboren.

 

Cleopha heute: Das Original ist zurück

Inzwischen schreiben wir das Jahr 2026. Die Welt ist digitaler geworden, aber die Sehnsucht nach dem Echten ist geblieben. Cleopha ist heute kein nostalgischer Rückblick, sondern ein Versprechen.

 

Was kommt jetzt?

Wir stehen vor einer neuen Reihe von Ereignissen – Rockfeste gemeinsam mit DJ Pommes wie am 04. Juli im Fußballstadion, Herbolzheim, das Geburtstags Open Air am 01. August in Grafenhausen – Das Moosemättle Open Air und am Tag darauf das See (leuchten) beben in Lahr. Wir gehen auch zurück in die Hallen, in denen der Schweiß von der Decke tropft und die Gitarrenriffs den Takt angeben

 

Während mancherorts in der Region über Konzepte geschwiegen wird und die Jugend in kühlen Sitzungssälen vertröstet wird, machen wir bei Cleopha das, was wir am besten können: Wir leben die Gemeinschaft. Ohne Stylezwang, ohne Filter, aber mit verdammt viel Wums. 

 

Und dann? Ein neues Herzensprojekt: 

„Aber Cleopha 2026 bedeutet mehr als nur große Hallen und laute Boxen. Mein neuestes Herzensprojekt führt mich an Orte, an denen man Rock ’n’ Roll vielleicht nicht sofort vermutet: in die Seniorenheime der Region.

 

Hier schließt sich ein Kreis, der 1987 in Rust begann. Wenn ich dort die Platten von damals auflege, passiert etwas Magisches. Die Augen beginnen zu leuchten, Füße wippen im Takt von ‚Azzurro‘ oder ‚Satisfaction‘, und für ein paar Stunden ist das Alter nur noch eine Zahl auf dem Papier. Es geht darum, Würde und Lebensfreude durch die universelle Sprache der Musik zurückzugeben.

Ob im Festzelt oder im Gemeinschaftssaal der Seniorenresidenz: Die ‚Kleine Melodie‘ ist für alle da. Denn wer einmal den Rock ’n’ Roll im Herzen hatte, der verlernt das Tanzen nicht – egal, wie alt er ist.“

 

 

 

CLEOPHA – Ein Name, ein Mann und ein Programm, das auch 2026 keine Gefangenen macht.

 

 

 

Begegnungen - walter und City - einem Deutschen Märchen gleich...

CLEOPHA87 - Begegnungen  Walter & City

von Walter Holtfoth in Erinnerung an verrückte Jahre

 

Für Fritze, Toni, Klaus, Manne und Joro

 

"Ans Fenster klopfen... mehr als 30 Jahre Verbundenheit"

 

 Am Anfang war ein Lied. Meine Geschichte könnte nicht nur beginnen wie ein Märchen, es kommt einem gleich.

 

Es waren meine ersten Gehversuche als DJ in den 70 er Jahren. Damals war es auch im Westen nichts neues dass man von der eigenen Musik nicht leben konnte.

 

In jenen Tagen hörte ich ihn zum ersten mal, diesen Ohrwurm der so anders klang als alles andere, was ich auflegen konnte. Tanzflächenfüller und emotionaler Eisbrecher sind sicherlich zwei Schlagworte, die den Bezug zu diesem Meisterwerk treffend beschreiben. Den Song nahm ich kurz nach seiner Veröffentlichung in mein Herz und in mein festes Programm.

Kein Abend seither, an dem er nicht lief und bis zum heutigen Tage.

 

"Am Fenster" - ein Song, eine Geschichte, ein Wegbegleiter, ein Freund, eine Freundschaft 

 

Zwischen damals und heute ist viel passiert.Nicht nur im allgemeinen Weltgeschehen auch in meinem Leben. Ich wusste nicht wie nah mich die zarte Berührung mit diesem Stück Vinyl an das Zeitgeschehen bringen sollte. Als ich Mitte der 80er der Diskothekenwelt den Rücken kehrte (Modern Talking und andere Ergüsse machten mir den Entschluss leicht. um ein eigenes Projekt mit dem Namen Cleopha 87 zu starten, war die Sehnsucht da dieses Lied live erleben zu wollen.

 

Ich begann zu recherchieren, gibt es die Band eigentlich noch oder war sie längst aufgelöst und nur dieses eine Lied übrig? Wer waren die Menschen hinter diesen Zeilen und Noten? Bedenkt bitte, es gab kein Google, kein Internet und Handys waren tonnenschwer. Schon damals musste ich erkennen, dass die Musik- und Schallplattenindustrie nicht gerade hilfsbereit war wenn es um das Thema City ging. Man hatte ja das Fenster es verkaufte sich ohne Aufwand gut, was sollte auch mehr gemacht werden. Nach unzähligen Telefonaten endlich die Auskunft, die Band gibt es noch, interessiert hier aber niemanden. Richtig ich vergaß, da war ja Modern Talking etca. Mich interessierte es aber sehr und ich ließ nicht locker bis ich eine Telefonnummer aus der damaligen DDR bekam. Es war mir schlicht und ergreifend Wurst, wie viele Geheimdienste damals das erste Gespräch mithörten, ich wollte die Band, wollte ein Konzert, wollte meinem Publikum dieses Erlebnis schenken. Dankbar bin ich dem Menschen, der sich wohl genauso gefreut hat wie ich am anderen Ende der Leitung. Kurt war sein Name. "Mensch jut, da lässt sich doch was machen, aber klar" Mit diesem Satz begann eine einzigartige Geschichte bis zum heutigen Tage.

 

Und sie hörten alle mit Stasi - BND - CIA 

 

Die Einladung der Künstleragentur der DDR ließ nicht lange auf sich warten. Ich bekam ein Visum, nahezu Unbürokratisch, war Staatsgast des Ministeriums für Kultur und bekam einen dicken fetten Stempel in meinen Reisepass. Ich war so naiv und brachte zu meinem erst Besuch fünf Schallplatten meines Erstlings "Gedanken eines Clowns" mit, was die Herren an der Grenze sehr interessierte. Musik, Inhalt, Text. Warum und so weiter. Einer der Beamten, oder Bürger wie man sich Ansprach, blickte auf den Stempel in meinem Ausweis, das Visum und die Unterschrift des Ministers und salutierte plötzlich, was meine friedensbewegte Seele jener Tage natürlich zu tiefst beeindruckte. Ich schenkte ihm eine Scheibe, ob er sie wohl noch hat?

 

Im Palast der Republik traf ich dann die Herren Puppel und Krahl (noch mit leichtem Haarkranz), offiziell im Cafe oder war es die Bar in der so viel Geschichte geschrieben wurde? Wir vereinbarten einen Konzerttermin für unser legendäres 1. Open Air 1988 in der Badischen Weltstadt Ettenheim am Apostelsee. Handschlag und es hat gefunkt. Über die damalige Gage wollen wir heute nicht sprechen. Damals wusste noch niemand was da in den kommenden Monaten und Jahren passieren sollte. Wir alle hier im Südwesten erlebten ein gigantisches Konzert und es hatte gefunkt. Musikerfreundschaft aller erster Güte entwickelte sich.

 

Keine Haare mehr...  ohne Bass und ohne Haare, City in den 80ern

 

Ich zeigte Toni, Fritz, Manne und Klaus den Taubergiessen als letzten Urwald Europas, begleitet von einem der schönsten Dialekte unserer Zeit (Ruster Badisch). Man verabschiedete sich mit dem Versprechen, sich bald wieder zu sehen. Es folgte der private Gegenbesuch in Berlin ohne Staatsstempel mit Zwangsumtausch und allem was damals dazu gehörte. Bürger Holtfoth meldete sich artig auf dem Posten der Volkspolizei. Nie, aber wirklich nie werde ich den Besuch in der Müggelseeperle vergessen. Was waren das noch? 10 Personen, essen was der Koch (nicht die Speisekarte) hergab, das damals fantastische Bier in Massen, dann noch einen Nachtisch und das ganze für 30 Mark Ost. Puh waren das Zeiten.

 

Unsere Beziehung sollte sich weiter entwickeln. Es folgten Cleopha Konzerte im Badner Land. Ich weiß heute nicht mehr wie viele es wahren bis zum heutigen Tage. Nachdem sich in der damaligen Zeit hier in den alten Ländern niemand um die Band kümmern wollte, war ich plötzlich das offizielle Büro West und alle Gastspielverträge mit der Künstleragentur der DDR gingen über meinen Schreibtisch. Es gab eine kleine Tournee die heute unbedeutend irgendwo in der Erinnerung verschwinden würde, wären da nicht die Umstände und Vertragspartner gewesen. Die evangelische Soldatenseelsorge war bereit Konzerte mit City in West Kasernen zu organisieren. Man muss sich das einfach in Erinnerung holen. Ein musikalischer Botschafter des damaligen Staatsfeindes Ost konzertierte in den Militärkasernen des damaligen Staatsfeindes West. Es war ende 88 und die Einheit in weiter, weiter Ferne eher immer noch nur ein schöner Traum.

 

Stellt euch bitte in blühendster Fantasie dieses markante Bild vor: Oben auf der Bühne City, unten die Jungs in oliv mit ihren Flens Fläschchen. Unvorstellbar grausig und skurril, zumal damals wirklich nur männliche Soldaten in den Kasernen waren. Ich hab Toni um seinen Job damals nicht beneidet. Sag, wo die Soldaten sind und unten die Meute gröhlend "HIER !!" ....Pete Seeger hätte sich im Grab umgedreht. Jeder Musiker verdrängt solche Erlebnisse nur zu gerne. Aber man war jung, wollte überleben, vor allem als Band. Heute lächel ich wenn ich diese Zeilen schreibe, denn wenn man es richtig betrachtet, begann in diesen Tagen das Eis zu tauen.

 

In den unruhigen Tagen des Wechsels, die Mauer war gerade gefallen, lud ich Toni spontan ein, als unangekündigter Ehrengast mit uns in badischen Teningen in ausverkaufter Halle eine Fete zu feiern. Solo und unplugged würden wir heute sagen. 3.000 Fans dankten es ihm mit einer Gänsehautatmosphäre: so wird man "Am Fenster" nie wieder hören können und wir haben es leider nicht mitgeschnitten. Dann noch das legendäre und in den wirren Tagen immer noch gefährliche "So winkt man wenn der Zug abfährt" als Abschiedslied für den Bürger Erich Honecker. 

 

Danke für dieses Lied - diese Magie 

 

Und da war dann noch "Am Fenster"... dieses Lied, diese Magie, mit dem oder der alles begann. Ich ließ es damals Paus Samson hören jenen begnadeten Gitarristen und Gründer der new wave of brittish heavy metal. Sounds great, sagte er lächelnd zu mir und ich bat ihn, es neu zu arrangieren, wollte den Song unbedingt wiederbeleben und einem neuen Publikum zugänglich machen. Es sollte keine billige Cover Version sein. Ich war glücklich, dass ich lange vor Scooter das ok bekam, den Song aufzunehmen. Ein Traum wurde Realität.

 

Paul starb viel zu früh an Krebs. Ich hätte zu gerne mit ihm und allen zusammen dieses Werk gemeinsam auf einer Bühne präsentiert. In diesem Zusammenhang bleibt auch bei mir eine Umarmung und ein langes Gespräch mit Tamara in Erinnerung. Eine Begegnung für die ich bis zum heutigen Tage dankbar bin und die es nie gegeben hätte ohne Fritz, Toni, Manne und Klaus. Nun werdet ihr also euren 35. Geburtstag als Band feiern. Ich danke Euch für Eure Freundschaft bis zum heutigen Tag. Nichts gibt es da was es zu bereuen gäbe Ein einziger Grund ein großes, großes Fest zu feiern.

 

Ich freue mich auf den Tag, Euch wieder in den Arm nehmen und begrüßen zu können. Alles Gute und weiterhin viel Erfolg, Ihr habt ihn Euch mehr als redlich verdient und erarbeitet.

 

 

Böhlen, 12. September 2006, Walter Holtfoth

Für mich auch eine Erinnerung an Klaus Selmke, der uns von irgendeiner Wolke aus immer begleiten wird 

Bilderbuch ( Auszug ) einer wunderbaren Epoche