foto "efrischend Bunt (c) Jörg Janköster Pixelio.de
Kurzes Update vor der Sitzung in Schuttern heute Abend:
Mein Post zur Friedhofs-Charta hat Wellen bis nach Hamburg geschlagen. Dass Schuttern zum Epizentrum nationaler Lobby-Post wird, hätte ich nicht gedacht. Ich nehme heute Abend meinen Notizblock mit und schaue mir das Ganze live an. Bleibt gespannt – morgen gibt’s die Rezension
Zwischen Grabpflege und Größenwahn?
Ein Vorbericht und Kommentar von Walter Holtfoth
Wenn am morgigen Dienstag der Ortschaftsrat in Schuttern zusammenkommt, steht ein Thema auf der Tagesordnung, das auf den ersten Blick nach tiefer Ehrfurcht klingt, beim zweiten Hinsehen jedoch Fragen nach der Verhältnismäßigkeit aufwirft. Martin Buttenmüller und seine Liste „Bürger für Schuttern“ (BfS) fordern den Beitritt des Schutterner Friedhofs zur sogenannten „Charta der Friedhofskultur“.
Was steckt dahinter?
Die genannte Charta ist ein Papier, das von diversen Bundesverbänden – vom Steinmetz bis zum Friedhofsverwalter – unterzeichnet wurde. Ziel ist es, den gesellschaftlichen Wert von Friedhöfen zu unterstreichen. Ein hehres Ziel, keine Frage. Doch Schuttern ist nicht der Wiener Zentralfriedhof.
Wir sprechen von einem beschaulichen Dorffriedhof, der erst vor Kurzem durch ein modernes, gärtnergepflegtes Grabfeld aufgewertet wurde – eine Maßnahme, die bei den Bürgern sehr gut ankam, weil sie ganz praktische Probleme der Grabpflege löste.
Mein Kommentar:
Wenn das Ego mitregiert
Man muss kein Prophet sein, um hinter diesem Antrag ein bekanntes Muster zu erkennen. Seit Martin Buttenmüller – der sein Amt als Ortsvorsteher einst krachend hinwarf und bei der letzten Wahl ebenso deutlich scheiterte – wieder im Gremium sitzt, scheint er jede Sitzung als Bühne für seine persönliche „Rückkehr“ zu nutzen.
Dieser Antrag zur Friedhofs-Charta ist dafür das perfekte Beispiel. Es ist schlichtweg überkanditelt. Braucht Schuttern wirklich ein Zertifikat aus Berlin oder Bonn, um zu wissen, wie man unsere Toten ehrt?
Die Kritikpunkte liegen auf der Hand:
Bürokratie statt Bürgernähe: Ein Beitritt bedeutet Papierkram und administrative Bindung an Verbände, die mit der Realität in einem badischen Dorf wenig zu tun haben.
Thema verfehlt: Während man in Schuttern über praktische Dinge wie Barrierefreiheit oder die Instandhaltung der Wege sprechen könnte, flüchtet sich die BfS in die Welt der Hochglanz-Urkunden.
Profilierungssucht: Es wirkt, als wolle man mit großen Namen (Kriegsgräberfürsorge, Bestatterverbände etc.) Eindruck schinden, wo eigentlich gesunder Menschenverstand gefragt wäre.
zu guter Letzt
Gute Friedhofskultur misst sich nicht an der Anzahl der Siegel an der Friedhofsmauer, sondern an der Zufriedenheit der Hinterbliebenen und dem Zustand der Anlage. Beides ist in Schuttern auf einem guten Weg – ganz ohne nationale Charta.
Man darf gespannt sein, ob der Ortschaftsrat am Dienstag den Mut hat, diesen „Beitritts-Ballon“ platzen zu lassen, oder ob man sich in die bürokratische Überkanditelung treiben lässt. Ich werde vor Ort sein und berichten, ob am Ende die Vernunft siegt oder die Sehnsucht nach dem großen Stempel.
