von Walter Holtfoth Text & Bild
Ich hab Euch versprochen zu liefern und bitteschön hier sind meine Eindrücke der heutigen Themenschwerpunkte der Sitzung des Ortschaftsrates in Schuttern.
Fast Live, wenngleich ich an diesem Text fast so lange saß, wie die Sitzung dauerte.....
Der eigentliche Bericht in Kürze in der Badischen Zeitung
Schutterns letzte Ruhe: Von Hamburger Riesen, schwarzen Kutten und frierenden Friedhofsgängern
Ein Abend im Ortschaftsrat Schuttern – oder:
Wie man eine Stunde Sitzungszeit in eine globale Weltanschauungsdebatte verwandelt.
Eigentlich hätte es ein kurzer Abend werden können. Doch wer die Rechnung ohne Martin Buttenmüller und seine Liste „Bürger für Schuttern“ (BfS) gemacht hat, kennt das Drehbuch der lokalen Selbstdarstellung nicht.
Der Handschlag und die große Welt
Es begann mit einer fast schon filmreifen Szene: Ein Handschlag zur Begrüßung für die Presse. Ein Flüstern im Vorbeigehen: „Wir müssten mal reden.“ Meine Antwort? Deutlich hörbar: „Nicht heute Abend.“ Denn was folgte, war keine Sachpolitik, sondern ein Parforceritt durch die Befindlichkeiten eines Mannes, der offensichtlich den Schutterner Friedhof zum Nabel der Welt erklären wollte.
1. Die Blumenwiese: Hamburg ist überall
Zuerst ging es um Blumenwiesen. Buttenmüller reiste gedanklich bis zum Ohlsdorfer Friedhof nach Hamburg (dem größten der Welt!), um uns zu erklären, wie wir in Schuttern das Artensterben aufhalten. Von Tigermücken war die Rede, von invasiven Hornissen und globaler Verantwortung.
Die Antwort des Rates:
Ein trockenes, badisches „Nein“. Ortsvorsteher Jürgen Silberer und Simon Spinner holten das Thema vom Hamburger Hafen zurück auf die Schutterner Scholle. Pragmatismus siegte über Panikmache: Eine Matte vor dem Friedhof wird nun ökologisch aufgewertet – ohne den Friedhof selbst in eine unpflegbare Wildnis zu verwandeln. Ergebnis: 2 zu 6. Antrag abgelehnt
2. Die Charta: Die 150-Euro-Plakette
Dann der Hauptgang: Der Beitritt zur „Charta der Friedhofskultur“. Buttenmüller warnte vor Bremer Verhältnissen (Urnen im Wohnzimmer!) und dem Untergang einer jahrtausendealten Kultur.
Der Clou des Abends:
Sein Mitstreiter Georg Kempf lieferte den Sparvorschlag des Jahres: Man könne doch die Heizung der Friedhofstoilette drosseln, um die 150 Euro für die Charta-Plakette einzusparen. Frieren für das Kulturerbe? Der Rat sah das anders. Robert Mieth betonte treffend, dass man die Entwicklung der Trauerkultur nicht per Plakette einfrieren kann. Erneut: 2 zu 6. Die Charta-Blase ist geplatzt.
3. Nachschlag unter „Verschiedenes“: Die „Lehrstunde“
Wer dachte, nach den offiziellen Punkten sei Schluss, irrte gewaltig. Unter „Verschiedenes“ wurde der Ortschaftsrat zum Hörsaal für Altertumskunde:
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Mittelalter-Lehm: Keramiksplitter in einer Baugrube wurden zur Sensation erhoben.
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Das „Jakobus-Gate“: Die österliche Brunnenfigur vor dem Rathaus trägt nun endlich Schwarz (Franziskaner!) statt Braun (Benediktiner). Und wehe dem, der nur „Jakob“ sagt – es muss „Jakobus“ heißen! Hier platzte Guido Leberl endgültig die Hutschnur: Wir haben echte Probleme im Dorf, und hier wird über lateinische Endungen gestritten.
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Das Schwalben-Drama: Zum krönenden Abschluss lernten wir, dass an der Klosterkirche das falsche Nest für die falsche Schwalbenart hängt. Zur 700-Jahr-Feier muss das korrigiert werden!
Mein Fazit:
Ein Abend, der alles bot: Biologie, Theologie, Philologie und eine Prise Ornithologie. Am Ende blieb die Erkenntnis: Schutterns Demokratie ist wachsam. Sie lässt sich weder von Hamburger Lobby-Mails noch von Schwalbennestern aus der Ruhe bringen.
