Katzenelend vor der Haustür: Endstation Friesenheim?
Von Walter Holtfoth,Text, Bilder Tierheim Lahr / Facebook
Am kommenden Montag wird es im Gemeinderat ernst.
Die GRÜNE LISTE UMWELTSCHUTZ (GLU) bringt einen Antrag ein, der längst überfällig ist: Die Einführung einer Katzenschutzverordnung für Friesenheim. Was nach Bürokratie klingt, ist in Wahrheit ein Rettungsanker – für die Tiere, für die ehrenamtlichen Helfer und langfristig auch für den Gemeindesäckel.
Martin Spirgatis: „Kranke Katzen verrecken im Verborgenen“
Martin Spirgatis, 1. Vorsitzender des Tierschutzvereins Lahr, findet deutliche Worte zum Zögern der Verwaltungen. Das Argument der „Mehrarbeit“ lässt er nicht gelten. „Jeder Euro, den wir heute für Kastrationen ausgeben, spart abertausende in der Zukunft ein“, so Spirgatis. Es ist eine Investition in die Beherrschbarkeit der Tierheimkosten der nächsten Jahrzehnte.
Doch es geht nicht nur um Geld. Es geht um Leid, das wir oft nicht sehen, weil Katzen sich zum Sterben zurückziehen. „Kranke Katzen verrecken nicht in der Öffentlichkeit, sondern im Verborgenen. Nur darum ist der Aufschrei in der Bevölkerung bislang ausgeblieben.“
Erschöpfung am Limit: Die unsichtbare Arbeit
Während in Rathäusern über Verwaltungsaufwand diskutiert wird, kämpfen Menschen wie Katja S. und Annett R. an der Front. Alle zwei Stunden aufstehen, füttern, versorgen – eine Intensivstation in den eigenen vier Wänden, ehrenamtlich und bis zur völligen Verausgabung.
„Die Tierheimmitarbeiter sind überlastet. Wer es nicht glaubt, darf gerne mal ein paar Nächte die Versorgung solcher Patienten übernehmen“, fordert Martin Spirgatis heraus.
Der Gen-Pool in Gefahr: Hauskatze vs. Wildkatze
Ein Punkt des GLU-Antrags lässt aufhorchen: Der Schutz der echten Wildkatze. In unserer Region gibt es sie wieder – doch sie ist bedroht. Nicht nur durch Autos, sondern durch die Vermischung mit nicht kastrierten Hauskatzen. Das Ergebnis sind Hybride, die weder in der Natur noch beim Menschen eine Chance haben.
Spirgatis bringt es auf den Punkt: Das Land investiert Millionen in Schutzzäune entlang der A5, damit keine Wildkatzen überfahren werden. Doch dieser Aufwand ist sinnlos, wenn die Art durch mangelnde Kastrationspflicht bei Hauskatzen genetisch einfach „ausgelöscht“ wird.
Der Antrag der GLU: Das sind die Forderungen
Die Grüne Liste Umweltschutz fordert für Friesenheim:
-
Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht (Chip/Tätowierung).
-
Kastrationspflicht für Katzen mit Freigang (älter als 6 Monate).
-
Handlungsspielraum für den Tierschutz: Fundtiere, die nicht zugeordnet werden können, dürfen nach 48 Stunden kastriert werden.
Was bleibt? - Friesenheim zahlt derzeit über 21.000 Euro jährlich an das Tierheim – Tendenz steigend. Wegschauen ist teurer als Handeln. Eine Katzenschutzverordnung bekämpft das Problem an der Wurzel.
Friesenheim als „Jubiläums-Kommune“?
Die Statistik spricht eine klare Sprache: Von den 1.101 Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg haben bereits 197 eine solche Verordnung erlassen. Sollte sich der Gemeinderat am Montag für den Antrag der GLU entscheiden, könnte Friesenheim die 200. Kommune im Land sein, die diesen Schritt geht. Ein Signal, das zeigt, dass der Tierschutz auch auf kommunaler Ebene zunehmend als Pflichtaufgabe verstanden wird.
Es ist Zeit, dass der Gemeinderat Farbe bekennt: Für den Tierschutz, für die Helfer und für eine vernünftige Finanzpolitik.
