Der Mann, der den Rock ’n’ Roll in Farben malte

💡 Wenn das Licht von innen kommt: Mein Danke an Ecki

 

Der Mann, der den Rock ’n’ Roll in Farben malte

 

Guten Morgen liebe Welt.

Während draußen die Maibäume aufgestellt werden und sich alles um die perfekte Inszenierung dreht, blicke ich heute zurück. Zurück in eine Zeit, in der „Lichtshow“ nicht bedeutete, auf einen Computer-Knopf zu drücken, sondern pure Leidenschaft war.

 

In meinem Buch des Lebens gibt es ein Kapitel, das in den schillerndsten Farben leuchtet. Es gehört Ecki Eichenauer.

In der Welt der Musik gibt es Menschen, die im Rampenlicht stehen, und Menschen, die dieses Licht erst erschaffen. Über 20 Jahre lang war Ecki Eichenauer mein visueller Anker. Wenn ich heute zurückblicke, ist es nicht nur Dankbarkeit, die ich empfinde – es ist die Erinnerung an eine tiefe, fast magische Verbundenheit jener Jahre. 

 

 

 

Analoges Herzblut statt Computer-Chips

 

Heute drücken Lichttechniker auf „Start“ und der Computer erledigt den Rest. Bei uns war das anders. Ende der 80er gab es keine vorprogrammierten Shows. Da gab es nur Ecki, seine Tastatur und sein begnadetes Talent, Musik in Farben umzusetzen. Angefangen mit sechs Lampen links und sechs Lampen rechts, zauberte er Welten auf die Bühne. Seine „Pyrotechnik“? Das waren unzählige Teelichter am Bühnenrand, die er jeden Abend mit einer Geduld und Liebe platzierte, die man heute kaum noch findet.

 

Wir tickten absolut gleich. Ecki konnte mich lesen. Wenn ich nach fünf Stunden am Mikrofon mal ins Straucheln kam, reichte ein Blick von ihm, ein kurzes Lachen, wenn ich musikalisch mal völlig danebenhaute, und die Welt war wieder im Lot.

 

Von „Hells Bells“ bis zum Ruländer-Rausch

 

Gemeinsam sind wir abgehoben. Zu Pink Floyd oder Manfred Mann’s Earthband schlossen wir beide die Augen und schwebten davon; zu Metallica und AC/DC rockten wir wie die Teufel. Und ja, wir waren Genussmenschen.

 

Unvergessen bleibt das „Ruländer Spätlese Open Air“ auf dem Orschweirer Sportplatz. Es regnete meistens, aber Edmund Schaub, unser Weinhändler und Flammenkuchen-Gott, brachte uns den schweren, goldprämierten Wein in kleinen Gläschen auf die Bühne. Wir wussten damals nicht, wie viel dieser süßen badischen Sonne wir vertragen konnten. Die Erinnerung an die Nacht ist... nun ja, lückenhaft. Aber das Bild am nächsten Morgen (oder Mittag?) ist eingebrannt: Wir beide, wie die letzten Mohikaner auf der Sportheim-Veranda, umgeben von so vielen leeren Weinflaschen, dass es beim Aufstehen ordentlich „gekläppert“ hat.

 

Loyalität, die man nicht kaufen kann

 

Ecki war auch in den Niederlagen ein Fels. Wenn ein Abend mal finanziell in die Hose ging, drückte er mir zum Abschied die Hand und verzichtete auf seine bescheidene Gage. Das macht man nur für einen Freund, nicht für einen Chef.

 

Nach 20 gemeinsamen Jahren auf diesem wilden Flug kam der Abschied. Nicht plötzlich, sondern mit der ihm eigenen Ehrlichkeit vorbereitet. In der Ottenheimer Rheinauenhalle sagten wir „Tschüss“. Es war ein würdiger, großer Bahnhof – das Publikum feierte ihn so, wie er es verdient hatte.

 

Ein stilles Danke

 

Heute geht Ecki seinen eigenen Weg, weit weg vom Trubel, was ich vollkommen verstehe. Viele kamen nach ihm, und mit Holger habe ich später einen wunderbaren aber völlig anders gelagerten Nachfolger gefunden, der seine ganz eigene, moderne Geschichte schrieb.

 

Doch wenn ich heute die Augen schließe und den „Redemption Song“ in der Earthband-Version höre, sehe ich Ecki vor mir. Die Hände auf der Tastatur, die Augen geschlossen, versunken in seinem Meer aus Farben.

 

 

Ecki, wo immer du das hier auch liest: Danke von Herzen für jede einzelne Stunde. 

Einer unser Beider Lieblinssongs