Bildquelle Wikipedia Foto: Von Bogdan Dimitriu @ Dotro Bucharest, Romania - Peter Herbolzheimer, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3911332
🎷 Cleopha Memories: Als Chaka Khan Hunger auf Erbsensuppe hatte
Von Walter Holtfoth Bildquelle www.jazzmusicarchives.com
Manchmal blättert man in den alten Tournee-Tagebüchern und stolpert über Momente, die man heute kaum noch glauben kann. 1990 war so ein Jahr der Giganten: Saga, Nazareth, Golden Earring – sie alle gaben sich die Klinke in die Hand. Aber ein Abend in Emmendingen brennt bis heute ganz besonders nach.
Weltklasse in der Fritz-Boehle-Halle
Eigentlich wollte ich das 30-jährige Jubiläum von Peter Herbolzheimer und seiner Rhythm Combination & Brass in der Breisgauhalle feiern. Am Ende landeten wir in der Fritz-Boehle-Halle in Emmendingen. Was dort ankam, war die absolute Weltelite des Jazz. Musiker aus New York, Rio und Sydney, die sich die Arrangements teilweise noch im Flugzeug oder im Zug von Frankfurt nach Emmendingen eingeprägt hatten. In der Halle herrschte eine fast schon religiöse Konzentration – Peter verlangte 120 % Fokus für die Tournee-Premiere.
Der unangekündigte Superstar
Mitten in die angespannte Stille der Generalprobe spazierte plötzlich ein kleiner Wuschelkopf mit Afro-Look: Chaka Khan. Einfach so. Sie stand auf keinem Plakat, in keiner Presse-Info. Sie war der Überraschungsgast – ein Weltstar mit „Ain’t Nobody“ ganz oben in den Charts, aber völlig ohne Allüren. Sie war einfach „da“.
Rettung durch Erbsensuppe
Doch auch Weltstars haben Hunger. Und Chaka Khan hatte einen ganz speziellen Wunsch: Sie wollte unbedingt hausgemachte Erbsensuppe. In diesem Moment schossen mir die Schweißperlen auf die Stirn. Wer liefert jetzt auf die Schnelle echte, ehrliche Erbsensuppe?
Die Rettung hieß Michael. Er war sienerzeit eine wichtige Stütze im Team, lebte damals in Emmendingen und seine Mutter machte das Unmögliche möglich. Während in der Halle die Big Band den Sound der Weltklasse probte, köchelte in einer Emmendinger Küche die Erbsensuppe, die schließlich eine Soul-Göttin glücklich machte. Ich bin mir sicher: Besser konnte man auf den Solopart nicht eingestimmt werden!
Ein Großer am Pult – und an der Kasse
Der Abend war musikalisch ein Meilenstein, aber finanziell ein harter Brocken. Miles Davis spielte am selben Abend in Freiburg – das hatten wir nicht auf dem Schirm. Doch Peter Herbolzheimer zeigte wahre Größe. Er sah unser Herzblut, er spürte die Gastfreundschaft und wahrscheinlich hatte er auch die Erbsensuppe im Hinterkopf. „Gib mir einfach, was da ist, und Schwamm drüber“, sagte er bei der Abrechnung.
Was bleibt diesmal: Das ist Rock 'n' Roll (oder eben Jazz). Es geht nicht immer nur um volle Kassen und Verträge. Manchmal geht es um den Moment, um die Musik und um eine Mutter aus Emmendingen, die mit einer Schüssel Suppe die Weltkarriere von Chaka Khan und meine Nerven gerettet hat.
Michael, falls du das liest: Ein dickes Dankeschön an deine Mutter – sie ist die heimliche Heldin dieses Kapitels!
für alle Jazzfans unter uns:
