Mensch Hannes, hey Bernie, ach Angie... wir sehen uns wieder.

Mensch Hannes, hey Bernie, ach Angie... wir sehen uns wieder.

 

Ein Blick zurück auf die Walter Holtfoth Bande 🎸🕊️

 

 

Von Walter Holtfoth

 

Es gibt Geschichten, die schreibt das Leben, und es gibt Geschichten, die schreibt die Musik. Die Zeit mit der Walter Holtfoth Bande war so eine Ära – ein Kapitel meines Lebens, das eigentlich ein eigenes Buch verdient hätte. Nach den Jahren mit Bands wie Miraculix, Seitentanz und Clips, in denen man noch den großen Traum vom bundesweiten Durchbruch jagte, war die „Bande“ mein ganz persönlicher Befreiungsschlag.

 

Cleopha lief damals gut, der Existenzdruck war weg. Ich konnte und wollte mir endlich den puren Luxus erlauben, Musik nur noch aus einem einzigen Grund zu machen: aus Spaß an der Freude. Zusammen mit Helmut Fischer an den Keyboards, Peter Möck am Bass, Michael Drölle an der Gitarre und wechselnden, fantastischen Jungs an den Drums zog ich los.

 

Und ich muss heute, im Rückblick, ganz ehrlich sagen: Musikalisch, in Sachen Kreativität und reiner Kompositionsleidenschaft, war es die fruchtbarste Zeit meines gesamten Schaffens. Die Texte kamen aus meiner Feder, die Musik atmete den Geist von uns allen. Wir haben gemeinsam erschaffen, gelacht und gelebt.

 

Eine einzige Coverversion – und ein großes Wagnis

Wir hatten fast nur eigenes Material im Programm. Doch eine einzige Coverversion leisteten wir uns. Ein Song, den ich damals unbedingt, mit jeder Faser meines Körpers, singen wollte. Und ich bin den Jungs auf der Bühne bis heute unendlich dankbar, dass sie das zugelassen haben. Klar, „Die kleine Melodie“ ist und bleibt mein bekannter Hit. Aber dieses eine, andere Lied über das Sterben, den Tod und die Endlichkeit ist im Rückblick sicher genau so stark. Wenn ich heute die Klickzahlen, die vielen Likes und das tiefe, positive Echo im Netz sehe, dann weiß ich: Alles daran war richtig.

 

Der Song heißt „Ich sterb in Deinen Armen gern“, im Original ein Chanson des großen Salvatore Adamo. Wir haben es damals auf unsere ganz ureigene Weise interpretiert. Für mich war dieses Lied kein bloßer Text – es war ein Gebet. Ein Flehen darum, dass dann, wenn es irgendwann so weit ist, das Sterben in den Armen des Menschen geschehen darf, den man in diesem intimsten aller Momente bei sich haben möchte.

 

Wenn die Musik die Reihen lichtet

 

Auf der Bühne konnte ich bei diesem Song alles geben. Es war eine Performance, die mich innerlich zutiefst geschüttelt und gefordert hat. Und das Publikum? Nun, live hat dieser Song regelmäßig dafür gesorgt, dass sich die Reihen vor der Bühne lichteten. In Schmieheim, daran erinnere ich mich noch wie heute, hat er den Saal regelrecht leergefegt.

 

Heute wissen wir um den Grund. Es gibt ein Alter, da will man einfach nicht hören, dass alles auf dieser Welt endlich ist. Man drückt den Gedanken weg. Aber die Wahrheit bleibt.

 

Ich habe diesen Song jetzt noch einmal veröffentlicht. Nicht aus Melancholie, sondern um all jenen Mut, Trost und Kraft zu schenken, die da draußen gerade einen schweren Kampf kämpfen – wohlwissend, dass sie ihn am Ende nicht gewinnen können. Und ich widme ihn denen, die diese Menschen in dieser schwersten Lebensphase begleiten.

 

Ein Gruß an die, die vorausgegangen sind

 

Es wird in Zukunft noch viele Anekdoten und Geschichten aus der Zeit der Walter Holtfoth Bande hier im Blog geben. Aber diese eine Geschichte hier, die musste heute für sich ganz alleine stehen. Weil sie größer ist als das alltägliche Rauschen.

 

Mensch Hannes, mensch Angie, hey Bernie, mensch Timo, Achim, Bubi, Elvira... und all die anderen lieben Seelen, die uns in den letzten Jahren schon vorausgegangen sind: Wir vergessen euch nicht. Und irgendwann... da sehen wir uns wieder.

Danke für die Musik. Danke für die Zeit.