informierte souverän; Kita Leiterin Tanja Kühne
Großes pädagogisches Konzept, dürftige Kommunikation: Wird die neue Kita „Wunderfitz“ zum logistischen Albtraum für Friesenheimer Eltern?
Von Walter Holtfoth Text & Bilder
Friesenheim-Heiligenzell. Es klingt nach einer echten Erfolgsgeschichte für den Ortsteil: Im geschichtsträchtigen ehemaligen Klosterareal in Heiligenzell – einst ein bedeutender Ausleger des berühmten Klosters Schuttern – entsteht derzeit die erste kommunale Kindertagesstätte der Gemeinde Friesenheim.
Ab April 2027 sollen hier in vier Gruppen die jüngsten Mitbürger betreut werden. Erst kürzlich gab der Ortschaftsrat grünes Licht für den Namen: „Wunderfitz“ soll die Einrichtung heißen – ein alemannischer Begriff für Neugier und Entdeckergeist.
Wer am Dienstagabend die Informationsveranstaltung für die Eltern besuchte, merkte schnell: Fachlich und pädagogisch wird hier an etwas ganz Großem gearbeitet. Doch hinter den schönen Kulissen brodelt es unter den Friesenheimer Müttern und Vätern gewaltig. Der Grund ist nicht das Konzept, sondern die wie so oft mangelhafte Informationspolitik aus dem Rathaus.
Das Konzept: Wenn Räume zu Erziehern werden
Die künftige Leiterin der Einrichtung, Tanja Kühne, stellte den zahlreich erschienenen Eltern den frisch gedruckten Flyer und das detaillierte pädagogische Fundament vor. Und das hat es in sich: Die Kita „Wunderfitz“ wird teiloffen und nach dem renommierten, „reggioinspirierten“ Ansatz arbeiten. Kurz gesagt bedeutet das: Das Kind wird als kompetenter, neugieriger Gestalter seiner eigenen Entwicklung gesehen. Die Räume im sanierten, historischen Gebäude fungieren dabei als „dritter Erzieher“ und sind optimal auf den Forscherdrang abgestimmt.
Als roter Faden für den Alltag dienen die vier Elemente, die festen Entwicklungsbereichen zugeordnet sind:
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Erde: Steht für Geborgenheit, Struktur und intensive Naturerfahrungen.
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Wasser: Begleitet die Gefühle, das Fließen und die innere Entwicklung.
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Luft: Widmet sich ganz der Sprache, dem Denken und der aktiven Mitbestimmung (Partizipation) der Kleinsten.
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Feuer: Bringt Bewegung, Energie und kreativen Ausdruck in den Alltag.
Das Angebot reicht vom gemeinschaftlich betreuten Frühstück und Mittagessen bis hin zu modernen Schwerpunkten wie Inklusion, Bildung für nachhaltige Entwicklung und sogar ersten Schritten in der Medienbildung. Tanja Kühne brennt sichtlich für diese Aufgabe
– hier entsteht zweifellos eine Vorzeige-Kita.
Die Sorge der Eltern: Der drohende „Verschiebebahnhof“
Warum also herrschte im Saal dicke Luft statt purer Vorfreude? Die Bombe platzte klammheimlich im Vorfeld über eine Notiz im Mitteilungsblatt der Gemeinde. Um die Kapazitäten der neuen, extrem kostenintensiven Vier-Gruppen-Kita von Beginn an auszulasten, plant die Verwaltung offenbar, bestehende Gruppen aus den ohnehin stark beanspruchten Kitas der Kerngemeinde nach Heiligenzell umzulagern.
Für viele betroffene Familien aus Friesenheim ist das eine logistische Hiobsbotschaft. In der anschließenden, hochemotionalen Fragerunde machten die Eltern ihrem Ärger Luft. Die Kernfrage: Warum müssen Familien aus dem Kernort ihre Kinder künftig quer durch die Ortsteile kutschieren, nur damit die Gemeinde ihre planerischen Quoten in Heiligenzell erfüllt? Kritisiert wurde vor allem, dass die Betroffenen vor vollendete Tatsachen gestellt wurden, statt sie frühzeitig einzubinden. Die bisherige Kommunikation der Verwaltung wurde interfamilär als „äußerst dürftig“ und intransparent abgewatscht.
Phrasen statt konkreter Lösungen
Bürgermeister Erik Weide versuchte sichtlich, die Wogen im Saal zu glätten, und griff dabei tief in die rhetorische Werkzeugkiste. Sein meistgehörter Satz des Abends: „Ich verstehe Ihre Bedenken und Sorgen vollkommen, ich habe ja selbst Kinder.“ Ein empathisch gemeinter Einwurf, der bei den anwesenden Müttern und Vätern jedoch verpuffte. Denn Weides eigener Nachwuchs ist längst dem Kita-Alter entwachsen. Die heutige, stressige Realität zwischen Berufstätigkeit, starren Bringzeiten und den täglichen logistischen Herausforderungen junger Familien lässt sich eben nicht mit altgedienten Anekdoten aus dem Familienalbum lösen. Auf die konkrete Frage, wie die Fahrtstrecken und Gruppenwechsel ab April 2027 verträglich und familienfreundlich gestaltet werden sollen, blieb die Verwaltung die Antworten schuldbar. "Kommen Sie auf uns zu, wir kümmern uns darum," so das Angebot.
Schotten dicht beim Thema Kommunikation
Wie groß der Druck im Hintergrund des Rathauses bei diesem Millionenprojekt mittlerweile ist, zeigte sich auch am Rande der Veranstaltung. Als die Sprache auf die offensichtlichen Versäumnisse in der Informationskette kam, wurde gezögert. Auf meine detaillierten Nachfragen verwies die Kita-Leitung strikt auf den offiziellen Dienstweg über die Pressestelle der Gemeinde.
Zwischen den Zeilen, in Gestik und Mimik, war unschwer zu erkennen: Die engagierten Fachkräfte vor Ort hätten den Eltern wohl gerne offenere Worte geschenkt. Doch die Leine aus der Chefetage des Rathauses ist kurz: Alles durch den PR-Filter laufen lassen
Fazit: Das pädagogische Fundament der Kita „Wunderfitz“ ist absolut spitze. Wenn das Rathaus hier nicht schleunigst den Dialog auf Augenhöhe sucht, steht das Element „Feuer“ in Heiligenzell bald für etwas ganz anderes: für den brennenden Ärger der Friesenheimer Eltern.
Was meint ihr zu den Plänen? Ist den Friesenheimer Eltern der logistische Mehraufwand zuzumuten, um die neue Kita auszulasten? Wie habt ihr die Informationspolitik der Gemeinde erlebt? Schreibt es mir direkt in die Kommentare!
