Nachspiel zum „Rathaus-Koma“: Friesenheimer Realschüler geben der Presse Recht!
Ein Nachschlag von Walter Holtfoth
Manchmal schreibt das Leben die besten Fortsetzungen. Gestern beim Spaziergang im Dorf lief mir die Mutter einer Achtklässlerin über den Weg und flüsterte mir brühwarm das jüngste Gerücht aus dem Klassenzimmer zu: Mein Kommentar zum bürokratischen „Demokratie-Koma“ der Schüler im Rathaus war tatsächlich kurz vor den Ferien noch Thema im Unterricht an der Realschule!
Und wie das bei echter, unbequemer Presse so ist: Die Meinungen gingen meilenweit auseinander.
Die Noten aus dem Lehrerzimmer
Sagen wir es mal so: Die Lehrerschaft war von meinem Text... not amused. „Nicht gut“, lautete das Urteil der Pädagogen über meinen scharfzüngigen Bericht. Verständlich. Lehrer sind in diesem Fall natürlich auch ein Stück weit Teil der gut geölten Maschine. Da hat man monatelang diesen offiziellen Praxistag organisiert, den Bildungsplan im Blick, und dann kommt der Holtfoth um die Ecke und seziert das Ganze genüsslich auf seinem Blog. Da passt ein kritischer Spiegel natürlich nicht ganz ins pädagogische Konzept.
Aber viel wichtiger als die Zensuren aus dem Lehrerzimmer ist mir das Urteil derer, um die es an diesem Tag eigentlich ging: die Schüler!
Das ehrliche Zeugnis der Achtklässler
Und da sieht die Welt ganz anders aus. Die Jugendlichen haben den Beitrag im Unterricht überwiegend als absolut korrekt beschrieben. O-Ton der Mutter über die Reaktion ihrer Tochter: „Das war ja auch stinklangweilig, ohne echtes Jugendthema!“
Bäm. Das sitzt.
Und es zeigt: Die Jugend von heute ist keineswegs politikverdrossen oder blind. Die merken ganz genau, wenn sie als Statisten für ein kommunales PR-Ereignis herhalten müssen, bei dem am Ende 45 Minuten über Bike-Sharing-Statistiken referiert wird, während ihre eigenen Themen draußen vor der Tür bleiben müssen.
Ferienzeit ist WhatsApp-Zeit
Jetzt sind erst mal Pfingstferien. Auf dem echten Schulhof wird es die nächsten Tage also ruhig bleiben. Aber ich bin mir verdammt sicher: Auf den Handys der Kids und vor allem in den privaten WhatsApp-Gruppen der Lehrkräfte wird dieser Text in den nächsten Tagen trotzdem fleißig die Runde machen. Diskussionsstoff für die freien Tage ist jedenfalls gesichert!
Liebe Lehrer, nehmt es mir nicht übel: Kritik gehört zur Demokratie dazu – das wäre doch eigentlich die perfekte Lektion für den Unterricht gewesen! Wenn die Schüler meinen Text als „korrekt“ empfinden, dann haben sie an diesem Tag im Rathaus vor allem eines gelernt: Medienkompetenz und den Wert einer freien, kritischen Lokalpresse, die eben nicht einer Hofberichterstattung gleicht.
Mein Angebot steht übrigens immer noch: Wenn einer der Achtklässler nach den Ferien Lust hat, mir anonym sein ganz persönliches Referat oder einen Aufsatz über diesen Vormittag im Rathaus zu schicken – mein Blog steht für euch offen.
Wir bleiben am Ball. Und dem Lehrerkollegium wünsche ich erholsame Pfingsttage – vielleicht bei einer Tasse Kaffee und einer Runde Classic Rock zur Entspannung! 😉
Hier geht´s zum Erstling ( für alle die den Artikel nicht gelesen haben )
