Vom Bariton Teppich zum Woodstock Fieber

 

Vom Bariton-Teppich zum Woodstock-Fieber:

Foto: Cat Stevens, A&M Records - Billboard, page 35, 22 April 1972 

 

Meine Reise zum Kern der Musik

 

Die erste Resonanz:

Schweißausbrüche auf dem Teppich

 

Mein Weg zur Musik begann nicht mit der ersten eigenen Schallplatte, sondern auf dem Teppichboden unseres Wohnzimmers in Oberlauchringen, nahe der Schweizer Grenze.

 

Ich war kaum zwei Jahre alt, als ich dort saß – klitschnass geschwitzt, wie meine Mutter später erzählte. Vor mir stand mein Vater. Er war Bariton, ein leidenschaftlicher Sänger, der für seine Ausbildung bis nach Italien reiste.

 

Wenn er sich einsang, wenn diese gewaltige, geschulte Stimme den Raum füllte, dann passierte etwas mit mir. Ich spürte die Schwingungen körperlich. Mein Vater suchte die Perfektion des klassischen Gesangs; er ahnte nicht, dass er in diesen Momenten den Grundstein für einen Rocker legte. Er schaffte es nie auf die ganz großen Bühnen – das war später mein Part. Sein spätes Lob, der moderne Gesang sei ja „eher ein Instrument“, war sein typischer, schmunzelnder Ritterschlag für eine Welt, die ihm eigentlich fremd blieb.

 

Unter der Bettdecke: Das Radio als Fenster zur Welt

 

Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre wurde der Südwestfunk mein Tor zur Freiheit. Während andere Kinder schliefen, lag ich mit dem Radio unter der Bettdecke. „Vom Telefon zum Mikrofon“ – vier Stunden Wunschkonzert. Da war sie: Die Stimme von Joan Baez. Ich war zehn oder elf Jahre alt und hoffnungslos verliebt. Nicht in ein Gesicht, sondern in diese Aurora aus Klang. Woodstock war für mich kein weit entfernter Ort in Amerika, es war ein Versprechen. Dass ich Joan später zweimal persönlich treffen durfte, gehört zu den Momenten, die sich wie ein Brandzeichen in mein Herz eingebrannt haben. Manche Träume darf man eben doch anfassen.

 

Cat Stevens: Gemalte Bilder und gebrochene Herzen

 

Und dann war da Cat Stevens. Seine LPs waren meine Bibeln. Ich lernte Englisch nicht für die Schule, sondern um in seine Welt einzutauchen. Seine Texte waren für mich keine Sätze, es waren gemalte Bilder. Ich kann heute noch jeden Song auswendig – nicht nur den Text, sondern das Gefühl dahinter. Als er zum Islam konvertierte und der Musik den Rücken kehrte, war das für mich mehr als eine Nachricht. Es war ein tiefer Verrat, eine schmerzhafte Trauer. Es fühlte sich an, als hätte ein enger Freund einfach aufgehört zu atmen. Umso magischer war der Moment seiner Rückkehr: Die Aura war noch da, die Bilder malten sich wieder von selbst.

 

Der Autodidakt aus Leidenschaft

 

In der Schule hieß es: „Lern du erst mal Deutsch.“ Aber ich wollte Cat Stevens verstehen. Das „Große Songbook“ mit seinen hölzernen, wortwörtlichen Übersetzungen war mein erster großer Reinfall – und mein größter Ansporn. Ich begriff: Musik kann man nicht eins zu eins übersetzen. Man muss sie fühlen, man muss sie leben. Vom kleinen Jungen, der schweißgebadet dem Vater lauschte, bis zum Mann, der mit der eigenen Band auf der Bühne stand und CDs aufnahm – der rote Faden war immer die Stimme. Die eine, die mich berührt hat.

 

Ganz Klar - Fortsetzung folgt :-) 

P.S. falls Du zum ersten Mal aus purem Zufall hier landest, dieser Beitrag ist ein Teil meiner "losen Blattsammlung" unter der Rubrik Cleopha - die Geschichten - der Blog. Irgendwann sicherlich alles zum Anfassen, als kleines Buch, so richtig schwarz auf weiß ..vielleicht.. wer weiß :-)