Omas Heiligtum rettet den Nachwuchs: Das Lahrer Kultur-Märchen vom geretteten Jugendstil-Klavier
von Walter Holtfoth
Einfach nur ein geniales Drehbuch. Vor wenigen Wochen schien das Schicksal eines wunderschönen, antiken Trautwein-Jugendstil-Klaviers besiegelt: Der alte Rock-Proberaum-Bunker auf dem Lahrer Flugplatzgelände muss abgerissen werden. Das Ultimatum stand unbarmherzig im Raum. Die Abrissbirne drohte, ein Stück Familiengeschichte und Kultur gnadenlos zu zermalmen.
Heute können wir, Rainer Schrenk und ich, verkünden: Die Rettungsmission war ein Erfolg auf ganzer Linie! Und die Geschichte dahinter ist noch viel größer, emotionaler und geschichtsträchtiger, als wir alle geahnt haben.
Von Berlin-Adlershof in den Schwarzwald – Eine Reise über Generationen
Dank des Besitzers Rainer Schrenk kennen wir jetzt die berührende Historie dieses Instruments. Das Klavier war einst das absolute Heiligtum seiner geliebten Großmutter Klara Margarethe Mariechen Wesch. Ein historisches Hochzeitsfoto aus dem Jahr 1941 (siehe Bild ) zeigt die Großmutter in einem wunderschönen weißen Kleid neben ihrem Ehemann Karl Friedrich Wesch in Fliegeruniform.
Genau zu dieser Zeit trat das Klavier seine große Reise an: Aus Berlin-Adlershof, wo Klara mit ihren Eltern lebte, wurde das schwere Instrument nach der Hochzeit nach Lahr transportiert. Es war der stolze Mittelpunkt ihres neuen Zuhauses. Klara hütete ihr Klavier zeitlebens wie ihren Augapfel.
Die Rettung vor der Kettensäge
Als die Großmutter 2010 verstarb, drohte dem Erbe bereits das erste Mal das brutale Aus. Das Klavier war testamentarisch an ihren jüngsten Sohn vererbt worden. Dessen pragmatischer, aber herzloser Plan: „Was will ich mit dem Ding? Da hole ich eine Kettensäge, mache es klein und bringe es auf die Deponie!“
Enkel Rainer Schrenk war fassungslos: „Bist du verrückt? Das ist Omas Klavier, ihr Heiligtum!“ Mit Mut und Entschlossenheit rettete er das Instrument, engagierte für 200 Euro eine Spezialfirma und ließ das Klavier aus dem zweiten Stock durch das enge Treppenhaus in seinen Proberaum der Lahrer Rockwerkstatt transportieren. Dort stand es nun – sicher, aber ungenutzt – stolze 16 Jahre lang wie „zwischengeparkt“. Bis das Abriss-Ultimatums des Bunkers tickte.
Acht Retter auf dem Flugplatz: Ein neues Leben in einer Kita
Nachdem wir hier im Blog und die Kollegen der Printmedien (Lahrer Zeitung) und ich dank der Badische Zeitung, einen lauten Hilferuf abgesetzt hatten, passierte das Wunder. Marko Kaldewey, Geschäftsführer der Träger „mehr Raum für Kinder gGmbH“ und „vielfalt für Kinder gGmbH“, las den Beitrag und fackelte nicht lange. Er meldete ernsthaftes Interesse an.
Noch vor Ablauf des Ultimatums rückte ein echtes Rettungskommando an: Acht starke Mitarbeiter der Einrichtung tauchten auf dem Lahrer Flugplatz auf, packten das historische Instrument behutsam ein und transportierten es ab.
Der neue Standort ist ein absoluter Traumhauptgewinn!
Kaldeweys Trägerschaften betreiben über dreißig Kindertagesstätten in Südbaden. Das Klavier von Oma Klara steht ab sofort in einer dieser Einrichtungen. Und es wird nicht verstauben: Vor Ort kümmert sich eine studierte Musikpädagogin mit Doktortitel um die Kinder.
Marko Kaldewey schreibt mir:
"Hallo lieber Walter, das schöne Klavier erfüllt die Herzen der Perlentaucher Kinder in Freiburg Littenweiler. Mit Aida Mithi haben wir eine Kollegin, die eine Doktor im Klavierspiel hat. Ganz liebe Grüße, Marko"
„Ohne Dich hätte ich das nie geschafft!“
Die Bilder aus der Kita sprechen Bände: Strahlende Kinderaugen, erhobene Hände und pure Lebensfreude rund um das dunkle Holz des Jugendstil-Klaviers.
Rainer Schrenk ist überglücklich und schickte mir eine Nachricht, die mir direkt unter die Haut ging:
„Jedenfalls bin ich jetzt gottheilfroh, dass jede Menge Kinder eine Freude an Omas Klavier haben werden! Vielleicht bringt ja Omas Erbe wieder irgendwelche Nachwuchsmusiker hervor? Wer weiß? Ich denke, das wäre auch im Sinne meiner geliebten Großmulter gewesen! Danke für ALLES, WALTER Du bist der Hammer!“
Nein, Rainer, der Hammer ist diese Gemeinschaft!
Danke an Marko Kaldewey, danke an die Zeitungs-Kollegen und danke an jeden, der diesen Beitrag geteilt hat. Oma Klaras Klavier lebt weiter – und wer weiß, vielleicht lauschen wir in ein paar Jahren einem großen Lahrer Musik-Nachwuchstalent, das seine allerersten Töne auf genau diesen Tasten gelernt hat.
Das Kultur-Märchen von Lahr ist perfekt. !
Das Cleopha Netzwerk. Die Medien und Du, auch ich sage vielen herzlichen Dank !
Die Vorgeschichte gibt es hier<<<<<<Klicken






