Großes ELR-Finale im Gemeinderat: Wie aus drei Millionen Förderung fast 22 Millionen Euro für Friesenheim wurden
Von Walter Holtfoth Text & Bild
Wenn am heutigen Montagabend der Friesenheimer Gemeinderat zusammenkommt, steht ein dickes Zahlenwerk auf der Tagesordnung. Es geht um das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR). Die Gemeinde sitzt seit 2022 als offizielle „Schwerpunktgemeinde“ an den Töpfen der Landeszuschüsse – und die Bilanz vor dem offiziellen Ende des Anerkennungszeitraums Ende 2026 kann sich mehr als sehen lassen.
Auf den ersten Blick ist es eine trockene Informationsvorlage, die wir erlaten. Auf den zweiten Blick ist es die Chronik eines beispiellosen Geldregens für das Ried. Wer tiefer in die Statistiken eintaucht, stellt fest: In Friesenheim hat das Fördergeld eine gewaltige Lawine ausgelöst.
Der „Porsche-Effekt“: Jeder Euro zündet sechsfach
Angefangen hat alles mit einem zugesicherten Förderrahmen von 2,5 Millionen Euro, der Anfang 2025 nach einem geschickten Aufstockungsantrag auf glatte 3 Millionen Euro angehoben wurde. Das Ende vom Lied: Der Topf wurde nicht nur „vollumfänglich aufgebraucht“ , sondern es wurden über das normale Regelprogramm sogar noch zusätzliche Mittel abgegriffen. Insgesamt flossen so stolze 3.838.846 Euro an ELR-Mitteln nach Friesenheim und in die Ortsteile.
Das eigentliche Phänomen verbirgt sich jedoch hinter der Investitionssumme. Diese Finanzspritze vom Land blieb nämlich nicht allein. Sie wirkte wie ein Turbo für private Bauherren und das örtliche Gewerbe : Insgesamt wurde im Kernort und den Ortsteilen ein Gesamtinvestitionsvolumen von 21.906.579 Euro nachgewiesen!
Rechnerisch bedeutet das: Jeder einzelne ELR-Fördereuro hat unmittelbar 6,92 Euro an realen Investitionen vor Ort angekurbelt . Ein Hebel-Effekt, der der lokalen Wirtschaft und dem Wohnbau einen massiven Schub verpasst hat.
Gewinner und Wackelkandidaten: Ein Blick in die Ortsteile
Vorgeschrieben war vom Land eine sogenannte „Wohnenquote“ von mindestens 50 Prozent – Friesenheim liefert starke 60 Prozent ab. Doch wo genau sind die Millionen eigentlich gelandet? Ein Blick in die Ortsteiltabellen liefert reichlich Gesprächsstoff für die heutige Sitzung:
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Der Spitzenreiter Schuttern: Das Klosterdorf ist der absolute ELR-Gewinner. Geplant waren laut ursprünglicher Zielvereinbarung 485.000 Euro. Am Ende wurden phänomenale 818.799 Euro bewilligt! Neben dem bereits abgeschlossenen Lindenplatz-Umbau fließen die Gelder hier kräftig in die Ärzte- und Physiotherapie-Ausstattung sowie in ein neues Gesundheitszentrum.
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Das Heiligenzeller Großprojekt: Ortsteilübergreifend verbucht, aber geografisch in Heiligenzell verankert, thront der Umbau der dortigen Kita mit satten 750.000 Euro in den Büchern. Die Eröffnung ist für April 2027 anvisiert.
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Frust in Oberweier? Wer die Haare in der Suppe sucht, wird in Oberweier fündig. Zwar steht unterm Strich eine bewilligte Summe von knapp 580.000 Euro – diese wird jedoch fast ausschließlich von privaten Sanierungsmaßnahmen getragen (546.335 Euro). Bei den kommunalen Hoffnungsträgern herrscht Stillstand: Der geplante Umbau des ehemaligen Pfarrhauses zur Ortsverwaltung steht auf „mittelfristig“ , und für die Beseitigung des Leerstands auf dem markanten Hunzinger-Areal heißt es in der Vorlage bitter: „Keine Umsetzung möglich“.
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Verschobene Riesen im Kernort und Oberschopfheim: Das riesige Friesenheimer Tascher-Areal und die Aktivierung des Oberschopfheimer BIMA-Areals (trotz erfolgtem Verkauf Anfang 2026) tauchen zwar in den Listen auf – ihre Umsetzungszeiträume wurden jedoch komplett auf „ab 2027“ verschoben.
Ausblick: Die fetten Jahre sind vorbei
Und genau hier liegt der „Kasius Knaxus“ für die Zukunft, der heute Abend sicherlich für Wortmeldungen sorgen wird. Der exklusive Status als Schwerpunktgemeinde mit eingebautem Fördervorrang läuft unwiderruflich aus.
Ab 2027 muss sich Friesenheim für anstehende Projekte (wie das Tascher- oder BIMA-Areal) wieder ganz normal hinten anstellen und im regulären ELR-Regelprogramm ohne Vorzugsbehandlung mit anderen Gemeinden um die Landestöpfe konkurrieren.
Man darf gespannt sein, ob heute Abend im Gemeinderat die Freude über die bewilligten 3,8 Millionen Euro überwiegt oder ob die Ortsteil-Räte aus Oberweier und Oberschopfheim angesichts der vertagten oder geplatzten Projekte auf den Busch klopfen.
friesenheimaktuell.de berichtet nach der Sitzung ausführlich über die Debatte und die Wortbeiträge. Ebenso bald auch in der Badischen Zeitung
