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UfeR - Vital - Neues Leben für die Schutter

Sie fließt zu träge: die Schutter Höhe Offohalle 

UfeR-Vital in Schuttern: Rettet die Fische – aber wer rettet das Pfarrhaus?

Kommentar von Walter Holtfoth Text & Bilder 

 

 

Wer den Schutternern an ihre Schutter will, der sollte vorher ganz genau hinsehen. Das mussten am Dienstagabend auch Jochen Heizmann und Michael Pesch vom Zweckverband Schuttermündung und der Planer des Baden-Bader Büros Wald + Corbe, Patrick Herrmann feststellen, die das landesweite Pilotprojekt „UfeR-Vital“ im vollbesetzten Ortschaftsrat vorstellten.

 

Die Absicht klingt ja erst mal löblich: Die Schutter im Dorf ist träge, verschlammt und braucht dringend mehr Dynamik.

 

Soweit, so gut. Die Lösung der Planer: Den Hauptstrom der Schutter künftig einfach am Dorf vorbeileiten (Auslagerung nennt sich das im Fachjargon), damit das Wasser in neuen Bahnen schneller fließt und das alte Flussbett im Ortskern quasi nur noch als Entlastungsrinne bei Starkregen dient. 

 

Das Valencia-Beispiel mitten im Ried

 

Spätestens da schrillten im Ratssaal die Alarmglocken. Ein fast trockenes Flussbett mitten im Dorf? Bei der Hitze und den Sommern der letzten Jahre? Die Antwort der Planer war gelinde gesagt ein kommunalpolitischer Knaller: Zu einem Austrocknen werde es nicht kommen, hieß es. Schließlich zeige das „Beispiel Valencia“, dass unsere Sommer künftig eher von Unwettern und Starkregen geprägt sein werden als von Hitze.

 

Valencia? Ernsthaft? Da reibt man sich im Schutterner Ratssaal ungläubig die Augen. Man muss kein Klimaforscher sein, um zu wissen, dass das spanische Mittelmeerklima sich nur bedingt mit der Realität an der Klostermauer deckt. Wenn im Sommer die Sonne aufs Ried brennt, wollen die Bürger im alten Bett keinen stinkenden Resttümpel haben.

 

Die Angst um die Fundamente von Jahrhunderten

 

Es geht aber nicht nur um die Optik oder den Geruch. Die Schutter ist kein steriler Wiesenbach, den man nach Belieben umleiten kann. Sie fließt seit Jahrhunderten direkt an den Klostermauern entlang und – mitten unter dem historischen Pfarrhaus durch.

Wenn man jetzt den Flusslauf verändert, verändert man die Statik und die Dynamik des Wassers. Georg Kempf (BFS) brachte es auf den Punkt: Die Schutter gehört zur Identität und zur Geschichte dieses Dorfes. Und Guido Leberl (CDU) warnte völlig zu Recht vor „erheblichen Diskussionen“, die dieses Projekt noch auslösen wird. Denn was nützt der schönste, sauber gespülte Kies für den Flussregenpfeifer, wenn am Ende die jahrhundertealten Fundamente des Pfarrhauses oder der Klostermauer durch veränderte Strömungen ins Wanken geraten?

 

Was liegt im alten Graben, Herr Buttenmüller?

 

Für das absolute Highlight des Abends sorgte allerdings Martin Buttenmüller (BFS). Als es um die Variante ging, den neuen Flusslauf über einen alten, bereits zugeschütteten Graben zu leiten, zündete er eine regelrechte kommunale Nebelkerze. Man müsse erst mal ganz genau prüfen, womit dieser Graben damals eigentlich zugeschüttet wurde, mahnte er. Er wisse es zwar ganz genau – die Antwort blieb er dem staunenden Saal aber schuldig. Ein herrlicher Cliffhanger! Man darf gespannt sein, welche sprichwörtlichen Leichen da im Schutterner Untergrund vergraben liegen.

 

Bürgermeister Erik Weide zog am Ende die Schlichter-Karte: Es sei nun mal eine EU-Anordnung, der man Folge leisten müsse. Und als leidenschaftlicher Angler freue er sich natürlich über bessere Gewässerqualität.

 

Und nun? 

Naturschutz und sauberere Gewässer sind wichtig, keine Frage. Aber in Schuttern kratzt die Ökologie hier ganz empfindlich am Denkmalschutz und an der Historie. Die Planer haben versprochen, die Stimmen der Bürger mitzunehmen. Das sollten sie sehr ernst nehmen. Wenn die Experten aus Baden-Baden hier mit dem groben Bagger statt mit dem feinen Besteck anrücken, werden die Schutterner ganz schnell beweisen, dass sie emotional noch ganz andere Register ziehen können als am Dienstagabend.

 

Wir bleiben für euch an der Klostermauer dran.