71.000 Euro für Friesenheim:
Wenn ein Zitat bei uns den Kämmerer glücklich macht
von Walter Holtfoth, Text & Bild
Manchmal lohnt es sich, ganz genau hinzuhören. Und manchmal lohnt es sich noch mehr, den Finger tief in die Wunde des bürokratischen Wahnsinns zu legen. Erinnern Sie sich noch an den Juni-Gemeinderat und unseren Bericht über den sichtlich konsternierten Bauamtsleiter Markus Reinbold?
Es ging um die Posse rund um die B3-Bushaltestellen. Friesenheim hatte das Kunststück vollbracht, sparsamer zu bauen als geplant – und wurde prompt vom Regierungspräsidium Freiburg bestraft, indem man die zugesagte Förderung komplett strich, weil die Kosten unter eine willkürliche Bagatellgrenze rutschten. Reinbolds frustrierter Satz ging durch die Gemeinde: „Dieser Fehler wird mir nie wieder passieren, das kann gerne zitiert werden!“
Wir haben ihn beim Wort genommen. Und genau dieses Zitat hat nun eine Lawine ausgelöst, die Friesenheim nachträglich einen warmen Geldsegen beschert.
Auf den Busch geklopft: Die Behörde rudert zurück
Nachdem die Geschichte bei uns öffentlich wurde, ließen die Kolleginnen der Badischen Zeitung nicht locker und hakten beim Regierungspräsidium in Freiburg ganz genau nach. Mit durchschlagendem Erfolg! Die Behörde musste den Fall nach der Presseanfrage komplett neu aufrollen, prüfte den alten Ablehnungsbescheid von 2022 noch einmal gründlich und stellte fest: Die Ablehnung war schlichtweg falsch. Ein handwerklicher Fehler im Amt.
Das Regierungspräsidium zog den fehlerhaften Bescheid nun offiziell zurück. Die korrigierte Nachricht aus Freiburg spült der Gemeinde Friesenheim jetzt nachträglich satte 71.447 Euro in die Kasse! Bei Gesamtkosten von rund 79.000 Euro bleibt für unsere Gemeinde somit nur noch ein minimaler Eigenanteil von knapp 8.000 Euro übrig.
Ein verjährtes Geschenk aus Kulanz
Dass dieses Geld überhaupt fließt, grenzt an ein kleines bürokratisches Wunder. Denn die Gemeinde hatte 2022 gegen den Bescheid keinen Einspruch eingelegt – er war rechtlich längst bestandskräftig. Das Ministerium und das Regierungspräsidium handelten hier rein nach Ermessen und Kulanz, nachdem das Thema durch die Medienberichte plötzlich im Rampenlicht stand.
Während die Rathaus-Pressestelle sich dankbar zeigt und ankündigt, ablehnende Bescheide künftig "noch intensiver zu hinterfragen", verbucht der Kämmerer das Geld klammheimlich im Finanzhaushalt.
Das Fazit für Friesenheim Aktuell: Lokaler Journalismus wirkt!
Diese Geschichte zeigt zwei Dinge ganz deutlich: Erstens: Sparsamkeit im Rathaus darf nicht durch starre Paragraphen bestraft werden – das hat nun auch das Regierungspräsidium eingesehen.
Und zweitens: Lokaler Journalismus ist kein Selbstzweck, sondern echte Teamarbeit für die Region.
Wie treffend BZ-Redakteurin Julia Göpfert in ihrem aktuellen Kommentar schreibt: „Nachfragen lohnt sich“ – und genau das gilt für uns alle. Ohne das genaue Hinhören im Gemeinderat, das Aufgreifen des denkwürdigen Zitats unseres Bauamtsleiters durch unsere Redaktion und das anschließende, hartnäckige Nachbohren der BZ-Kollegen läge diese Akte bis heute unberührt im Keller in Freiburg. Und Friesenheim wäre um über 70.000 Euro ämer.
Dass die Badische Zeitung ihren lesenswerten Kommentar dann auch noch mit einem aktuellen Symbolbild aus unserem Hause („Foto: Walter Holtfoth“) schmückt, rundet diese erfolgreiche Recherche-Saga perfekt ab.
In diesem Sinne: Gerne geschehen! - Eigentlich hätte die Redaktion einen Beitrag zur Kafffeekasse verdient :-)
Wir bleiben für Sie am Ball – mit Block, Stift und Kamera.
wenn das kein grund zum Feiern ist :-) Machen wir, in grofehüüse :-)
