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Glasfaser - alter Wein in neuen Schläuchen

Jubel-Post vs. Realität: Was hinter den neuen Glasfaser-versprechen für Friesenheim steckt

Friesenheim. Nach Jahren der Frustration, Baustellen-Debakeln und geplatzten Hoffnungen gibt es wieder Bewegung beim Thema Breitband. Die Gemeinde Friesenheim und die Breitband Ortenau vermelden stolz den Durchbruch: „Der Glasfaserausbau in Friesenheim kann weiter vorangetrieben werden!“

 

Auf den offiziellen Social-Media-Kanälen der Gemeinde feiert man die Unterschrift unter der Verpflichtungserklärung der UGG bereits mit bunten Hashtags als meilenweit bedeutenden Schritt für ein #digitalesfriesenheim.

 

Doch wer die Breitband-Saga in Friesenheim seit den Zeiten der Deutschen Glasfaser AG kritisch verfolgt hat, tut gut daran, die offizielle Pressemitteilung ganz genau zu lesen. Denn zwischen der PR-Euphorie im Netz und den tatsächlichen Fakten klafft eine gewaltige Lücke.

 

Die Fakten aus dem Rathaus

 

Laut der offiziellen Mitteilung verteilen sich die insgesamt 3.983 Gebäude in Friesenheim aktuell wie folgt:

 

  • Bereits erschlossen: 76 Gebäude (Gewerbe und Schulen) durch die Breitband Ortenau sowie 122 Adressen durch die Deutsche Telekom.

  • Geförderter Ausbau: Für 269 bislang unterversorgte Gebäude liegt der Breitband Ortenau nun der Förderbescheid von Bund und Land vor.
  • Der große Brocken: Das Unternehmen Unsere Grüne Glasfaser (UGG) hat angekündigt, 3.516 Adressen eigenwirtschaftlich (auf eigene Kosten) auszubauen.

Bürgermeister Erik Weide spricht von gewonnener „Planungssicherheit“ und freut sich über den Fortschritt.

 

Mein Kommentar: Ein Blick hinter die PR-Kulisse

 

Soweit die Schaufenster-Politik. Bei genauerem Hinsehen wirft das Zahlenwerk allerdings mehr Fragen auf, als es beantwortet.

 

1. Eine Ankündigung ist noch lange kein Bagger

 

Dass für die 269 Härtefälle Fördergeld fließt, ist eine gute Nachricht. Doch der Löwenanteil – über 3.500 Haushalte – hängt an der Zusage der UGG. Die Gemeinde feiert auf Facebook die unterschriebene Verpflichtungserklärung. Doch im Klartext bleibt das vorerst nichts weiter als eine weitere Absichtserklärung. Wie viele bunte Versprechungen haben die Bürger in den letzten fünf Jahren gehört? Eine Unterschrift auf dem Papier legt noch keinen einzigen Meter Kabel in den Gehweg.

 

2. Geduldsspiel bis ins Jahr 2030 

 

Wer hofft, dass jetzt zügig gegraben wird, wird beim Blick auf den Zeitplan ernüchtert. Die Netzplanung für den geförderten Ausbau soll erst im September beginnen. Der eigentliche Ausbau ist schrittweise für die Jahre 2027 bis 2030 vorgesehen! Das bedeutet im Klartext: Bürger, die seit Jahren auf schnelles Internet warten, werden von der Verwaltung auf bis zu vier weitere Jahre vertröstet. Von „zügiger Umsetzung“ zu sprechen, erfordert schon reichlich Zweckoptimismus.

 

3. Das Schweigen zu den Alt-Verträgen

 

Auf Facebook lässt das Rathaus diesen Punkt bequem unter den Tisch fallen, doch in der offiziellen Pressemitteilung sieht man sich genötigt, BGH-Urteile zu 24-monatigen Mindestvertragslaufzeiten und Kündigungsrechten zu zitieren. Warum wohl? Weil unzählige Bürger auf Alt-Verträgen festsitzen, während die Jahre ins Land ziehen und nichts passiert. Dass die Verwaltung diesen rechtlichen "Notausgang" gleich mitliefern muss, zeigt das eigentliche Ausmaß der Misere.

 

Und jetzt ? 

Es ist zu begrüßen, dass öffentliche Gebäude und Härtefälle endlich angegangen werden. Doch die Jubelpose aus dem Rathaus ist völlig unangebracht.

Bisher liegt für über 80 % der Friesenheimer Haushalte nicht mehr vor als das neue Versprechen eines neuen Anbieters.

 

Friesenheim Aktuell hat direkt bei der Pressestelle im Rathaus nachgefragt, wer genau die Quelle hinter den UGG-Zahlen ist und wie belastbar diese Angaben wirklich sind.

 

Wir bleiben für euch an den Kabeln – und glauben an den Glasfaser-Segen erst dann, wenn im Haus das Lämpchen leuchtet.